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Akademie   Geschichte

Die Geschichte der Akademie

  

Die Universität

Am 5. April 1549 genehmigte Papst Paul III. dem Augsburger Fürstbischof Kardinal Otto Truchsäß von Waldburg in dessen Residenzstadt die Errichtung eines "Collegium litterarum". Es erhielt den Namen des hl. Hieronymus. Am Fest des Heiligen, am 30.September des selben Jahres, wurde der Studienbetrieb aufgenommen. Papst Julius III verlieh der "Hohen Schule" der theologischen Ausbildung 1551 den Universitätsstatus.

1563 wurde diese zum Ausbau an die Jesuiten übergeben und später Zentrum der Gegenreformation. In der Zeit von 1549 bis 1773 waren 30.000 Studenten in Dillingen, heute ist es nahezu die gleiche Anzahl an Lehrern, die jährlich die Dillinger Akademie und die ihr angeschlossenen Partnerinstitute besucht.

Universitätsgebäude im Jahr 1557

Das Universitätsgebäude von 1557 für die philosophisch-theologische Fakultät wurde von 1611 bis 1620 durch den Bau der Studienkirche, und 1629 durch die juristische Fakultät für Kirchen- und Zivilrecht ergänzt, sowie 1688 durch den Neubau des Universitätsgebäudes auf der Südseite. Gegenüber der Studienkirche wurde 1724 mit dem Bau des Gymnasiums begonnen, der damaligen Lateinschule.

Jesuitenkolleg im 18. Jahrhundert

Auf der Nord-West-Seite wurde zwischen 1713 und 1738 das Jesuitenkolleg neu errichtet und 1738 die medizinische Fakultät als Schule für Wundärzte eingegliedert.

Im 18. Jahrhundert fand die letzte bedeutende Sanierung des Gebäudekomplexes von 1757 bis 1765 statt, als die Studienkirche und der Goldene Saal, die einstmalige Aula der Universität, mit Rokoko-Details ausgestattet wurden.

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Die Akademie für Lehrerfortbildung

Am 18. Februar 1971 wurde unter Gründungspräsident Hanns Ott die Akademie als zentrales Institut für Lehrerfortbildung in Bayern vom Staatsministerium für Unterricht und Kultus gegründet. Sie wurde im Gebäude der damaligen Jesuitenuniversität untergebracht.

Den Direktoren Prof. h. c. Ludwig Häring (1978 bis 2001), Thomas Sachsenröder (2001 bis 2008) und Dr. Paul Olbrich (2008 bis 2015) folgte Dr. Christoph Henzler (seit 2015).

Während in den Anfängen der Gründungszeit jährlich etwa 50 Lehrgänge von 1.700 Lehrern besucht wurden, bilden sich heute bis zu 25.000 Lehrer, Referenten und Moderatoren in mehr als 1.300 Lehrgängen fort.

Gebäudekomplex der Akademie

Ausgestattet mit modernen Medien unterstützt die Lehrerfortbildung an der Akademie heute die Entwicklung und Umsetzung neuer Zielvorstellungen von Schule und Personalführung. Auf der Grundlage der Schulwirklichkeit orientiert sie sich dabei auch an internationalen Bildungsstandards. Schwerpunkte bilden die Vertiefung der Fachkompetenz von Lehrern aller Schularten und Unterrichtsfächer, die berufsbezogene Förderung ihrer Persönlichkeit und die Qualifizierung von Führungskräften.

Verschiedene Gebäudeansichten

Die Hauskapelle

Die im Ostflügel gelegene Hauskapelle nimmt die beiden oberen Etagen ein und tritt schon von außen deutlich aus dem Baubild hervor, verziert von den vom Günzburger Bildhauer Hans Hirsch gefertigten Steinskulpturen der vier Kirchenväter. Ebenfalls aus der Hand dieses Künstlers stammen die Kreuzwegfiguren im Inneren der Kapelle.

Vier Marmorsäulen unterteilen den neobarocken Raum in drei Schiffe, als Patrozinium wurde die Kreuzfindung gewählt. Das 7 Meter lange und 4 Meter hohe südliche Wandbild fertigte eine Dominikanerin aus St. Ursula in Augsburg. Es ist eine Kopie des Kölner Dombildes von Stefan Lochner (1410 bis 1451).

Hauskapelle

Die moderne Akademie

Die Akademie für Lehrefortbildung und Personalführung bietet den Lehrgangsteilnehmern heute neben qualifizierten Referenten aller Fachbereiche modernste technische Ausrüstung, gesunde, abwechslungsreiche Kost und erholsame Unterbringung. Die Tagungs-, Seminar- und Computerräumlichkeiten reichen von historischem Ambiente bis zu aktueller Technologie.

Hörsäle

Aula, Speisesaal, Zimmer

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Die Studienkirche

Der mächtige Baukörper der 1610 bis 1617 erbauten Studienkirche gehört zu den eindrucksvollsten Fassaden der Kardinal-von-Waldburg-Strasse in Dillingen und schließt direkt an das einstige Jesuitenkolleg an. Die bauliche "Verschachtelung" der eher unruhigen Außenfassade lässt darauf schließen, dass dieser auch als "lateinisches Viertel" bezeichnete Stadtteil Dillingens nicht nach einem baulichen Gesamtkonzept entstand. Neben diesen Schulgebäuden der Dillinger Jesuitenuniversität, deren baugeschichtliche Wirkung bisher noch nicht umfassend analysiert wurde, war es vor allem die Studienkirche, die das sakrale Baugeschehen des 17. und 18. Jahrhunderts in Süddeutschland nachhaltig beinflusste und eine Vorrangstellung im barocken Kirchenbau beanspruchen darf.

Studienkirche: alte Ansichten

Der Entwurf zur Studienkirche erweist sich als ein genau durchdachtes und durchkonstruiertes Gebilde, das den Prinzipien italienischer Renaissancearchitektur und deren Streben nach regelmäßiger Form verpflichtet ist und Harmonie in den Proportionen und Raumverhältnissen durch die Handhabung des klassischen Formenrepertoires erreicht.

Neben mehreren Luken im Westgiebel dienten diverse Aufbauten der optimalen Belüftung der als Getreidespeicher genutzten Dachböden, denn beengte Platzverhältnisse innerhalb des innerstädtischen Areals zwangen die Gesellschaft Jesu dazu, den Dachraum der Kirche als Kornspeicher anzulegen und entsprechend auszubauen.

Studienkirche: Innenansichten

Über die östliche Gaube der straßenabgewandten Nordseite, unter der das Traufsims durchbrochen ist, konnte der Speicher über einen Aufzug beschickt werden.

Die Studienkirche wurde von Johann Albertal in Zusammenarbeit mit dem Jesuitenorden erbaut. Den ersten Entwurf lieferte Joseph Heintz, die Künstlerarchitheken Elias Holl und Matthias Karger haben ebenfalls Einfluss genommen.

Die Dillinger Theaterkunst und die in lateinischer Sprache übermittelten Bühnenstücke, sowie die Kirchenkunst und -musik erlangten weltweiten Ruhm und Anerkennung.

Studienkirche: Innenansichten

Die Jesuitengruft

Unter dem Chor der Studienkirche befindet sich die Gruft, in der 126 Jesuiten von 1619 bis 1800 bestattet wurden. Der Zugang ist vor der Chortreppe durch eine große Steinplatte verschlossen.

Begibt man sich über wenige Stufen hinab in die Gruft, so findet man heute ein restauriertes Tonnengewölbe mit den zehn zugemauerten und übertünchten Nebengängen zu den jeweiligen Grabkammern vor, an deren Zugängen sich Namensinschriften befinden.

Diese lassen sowohl Rückschlüsse auf die Bestatteten zu, wie auch auf Restauratoren und Handwerker derjenigen Epochen, in denen die Grabkammern geöffnet wurden.

Der letzte gebürtige Dillinger Angehörige der Münchner Jesuitenkommunität, Michael Kampik, studierte an der Münchner Kunstakademie und fertigte die Glasfenster in der Aussegnungshalle des Dillinger Friedhofes.

Jesuitengruft

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Der Goldene Saal

Betritt man den Treppenaufgang zum Goldenen Saal der Akademie durch das von Matthias Ader kunstvoll gearbeitete Gittertor, so nimmt man, beginnend mit dem geschmiedeten Marienmonogramm, sofort das beherrschende Thema wahr. Auch die den Gang des Besuchers nach oben begleitenden Stuckmedallions erzählen eindrucksvoll die Geschichte Mariens, endend mit der Herz Jesu-Darstellung auf der Portalkrone zum Goldenen Saal, geweiht der Jungfrau Maria.

Goldener Saal: Detailansichten

Der mit zehn Lichtachsen auf 30 x 12 x 6,50 Metern längs konzipierte Saal endet westlich mit einem viersäuligen Baldachinaltar (heute ohne Altartisch) und östlich mit einer Musikempore.

Der Kunstschreiner J. Hartmuth fertigte als letzte Arbeit den Saalboden aus den vier heimischen Holzarten Eiche, Kirsche, Ahorn und Haselnuss.

Goldener Saal

Das riesige Deckenfresko von Joh. Anwander zeigt in allen vier Himmelsrichtungen eindrucksvolle Schilderungen der Universität, der Stadtarchitektur, symbolhafte Darstellungen von Maria als Immakulata, Fakultätspatrone und Gründerfiguren, sowie allegorische Anspielungen auf die einzelnen Fakultäten.

Von Mai bis Oktober finden im Goldenen Saal für Lehrgangsteilnehmer wöchentlich Führungen statt.

Goldener Saal: Fresken

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Die Bibliothek

Die seit 1550 ortsansässige und im Besitz der Universität befindliche Druckerei stellte vielerlei Drucksachen her: Einmaldrucke, Gesang-, Theater- und Gebetsliteratur, die noch heute in der Rokoko-Bibliothek der Akademie zu sehen sind. Neben Promotionskatalogen, Baccalaureatlizensierungen, Magisteriums- oder Doktoratskatalogen wurden auch Gratulationsblätter und Thesenblätter vervielfältigt, die nicht selten von hervorragenden Stechern und Zeichnern ausgearbeitet und mit profanen Allegorien, Portraits, Wappenzeichen und biblischen oder hagiografischen Themen verziert wurden.

Bibliothek: Details

Illustrierte Dillinger Einblattdrucke stießen durch ihre Verbreitung ikonografische Entwicklungen an, die bemerkenswerte Einflüsse auf die Kunst- und Geistesgeschichte Süddeutschlands und angrenzender Regionen ausübten.

Das Ziel der Universitätsgründung, die Rekatholisierung Süddeutschlands, wurde offenbar durch Einblattdrucke und Buchillustrationen aus Dillingen sehr gefördert. Die religiösen Vorstellungen der Kirchenbesucher wurden von den Themen und Motivdarstellungen jesuitischer Prägung in Kathedralen, Pfarrkirchen, Klöstergebäuden und Schlössern beeinflusst.

Bibliothek

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Naturhistorische Sammlung

Die naturhistorische Sammlung entstammt einem spätmittelalterlichen Naturalienkabinett, welches vermutlich mit der Gründung eines mathematisch-physikalischen Museums 1757 angelegt wurde. Sie umfasst seltene präparierte Objekte: Tiere, Skelette und Schädel, Meerestiere, Insekten und Gesteine mit Mineralien und Fossilien.

Dozenten der Hochschule sammelten auf ihren Reisen Kostbarkeiten und und Raritäten wie Marmor aus Delphi, Bruchstücke der Akropolis und der Pyramiden.

Die Sammlung umfasst folgende Themen: "Heilige Tiere", "Stammbaum des Menschen", "Faustkeilkultur" und "Zaubersteine der Aberglaubenkultur".

Verschiedene Präparate

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